Persönlichkeiten Arnsfeld

Lutherenkel in Arnsfeld

Im Arnsfelder Ortsteil Oberschaar lebten vor 400 Jahren zwei Enkelkinder des deutschen Reformators Martin Luther. Ihr Wohnsitz war das heute nicht mehr bestehende Mai-Gut, oberhalb der so genannten Pursche-Kurve.

Nach einer 1733 erschienen Schrift mit dem Titel "Genealogia Lutherorum" soll bereits der Vater der beiden Enkel, der kurfürstliche Leibarzt Paul Luther das Gut besessen haben, das er aber verpachtet hatte. Damals wurde es als Obergut zu Arnsfeld bezeichnet.

Nach dem Tod von Paul Luther (1593) fiel bei der Erbteilung der Besitz an die Tochter Anna Luther. Sie war verheiratet mit Nikolaus Marschall von Bieberstein, einem Adligen. Beide zogen nach Oberschaar und lebten einige Jahre hier. Anna Luther wird im Arnsfelder Taufbuch 1596 zweimal als Patin genannt. Ihr Gatte wird im Jahre 1600 als Pate erwähnt.

Auch Annas Bruder, Johann Friedrich Luther wohnte eine gewisse Zeit in Oberschaar. Er starb wahrscheinlich am 26. Januar 1599. Sein Begräbnis vier Tage später, am 30. Januar, ist im Kirchenbuch eingeschrieben worden.

Ein handschriftlicher lateinischer Eintrag in der Bibel eines Bruders der beiden nennt als Begräbnisort die Kirche von Arnsfeld, nicht den Friedhof: "... estque in templo Arnsfeldiano seputlus." - In Deutsch: "... ist im Arnsfelder Gotteshaus begraben worden".

Bernd Schreiter

Julius Weisbach, aus seinem Leben

Julius Ludwig Weisbach wurde am 10. August 1806 in der Hammerschänke zu Mittelschmiedeberg (heute Ortsteil von Arnsfeld) geborgen. Sein Vater, Christian Gottlieb Weisbach (1764-1835), war Schichtmeister im Hammerwerk Mittelschmiedeberg. Die Mutter, Christiana Rebekka Stephan (1775-1850), stammte aus Arnsfeld und war die Tochter des Tischler- und Zimmermeisters Johann Christoph Stephan.

Die Stationen des Bildungsganges des hochbegabten und fleißigen Julius waren nach der Dorfschule, das Lyzeum in Annaberg, die Bergschule und die Bergakademie in Freiberg, die Universitäten Göttingen und Wien sowie das Polytechnische Institut Wien. 1830 unternahm er eine bergmännische Studienreise durch Ungarn und Österreich. Danach war er als Mathematiklehrer am Freiberger Gymnasium angestellt. 1832 heiratete Weisbach Marie Winkler (1807-1878), Tochter von August Fürchtegott Winkler (1770-1807), der als Faktor im Blaufarbenwerk Zschopenthal wirkte. Ihr Neffe war der bekannte Chemiker Prof. Clemens Winkler (1838-1904), der Entdecker des Germaniums.

Ab 1833 lehrte Julius Weisbach an der Bergakademie Freiberg. Drei Jahre später erhielt er die Berufung zum Professor für angewandte Mathematik, Mechanik, Bergmaschinenlehre und allgemeine Markscheidekunst. Desweiteren lehrte er Kristallographie, Geometrie, Theoretische Optik, Oryktognosie, höhere Arithmetik und Maschinenbaukunde.

Weisbach verfasste zahlreiche wissenschaftliche Bücher und Zeitschriftenaufsätze. Er beherrschte Latein, Griechisch, Englisch und Französisch. Neben seiner Lehrtätigkeit war er auch ein rastloser Forscher. So ist Julius Weisbach der Schöpfer der neuen Markscheidekunst, die sich beim Bau des "Rothschönberger Stollns" hervorragend bewährte. Es wurde hierbei das alte Messverfahren mit Kette, Gradbogen und Kompass endgültig durch die "Visiermethode" mit Theodolit und Nivelliergerät ersetzt. Desgleichen ist er auch der Schöpfer der Axonometrie in der darstellenden Geometrie. Wesentlich war Professor Weisbach bei der "Europäischen Gradmessung" beteiligt. Es handelte sich dabei um die Festlegung und Vermessung des trigonometrischen Netzes. Er war nicht nur ein guter Fachmann und Wissenschaftler, auch Pädagoge war Weisbach hoch geschätzt von seinen Studenten und Kollegen.

Für seine Verdienste erhielt Julius Weisbach zahlreiche Ehrungen. So verlieh ihm die Universität Leipzig 1859 die Würde eines Ehrendoktors der Philosophie. Desweiteren war er korrespondierendes Mitglied der Schwedischen Akademie der Wissenschaften und der Italienischen Akademie der Wissenschaften. Weisbach war 1. Ehrenmitglied des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und Ehrenmitglied des Architekten- und Ingenieurvereins zu Hannover. Die Stadt Freiberg benannte eine Straße nach ihm.

Das Lehrgebäude der Bergakademie in der Lampadiusstraße trägt seit 1956 den Namen "Weisbach-Bau". 1994 wurde an seinem Geburtshaus in Mittelschmiedeberg eine Gedenktafel angebracht.

Ein Schlaganfall beendete sein Leben. Am 24. Februar 1871 starb Oberbergrat Prof. Dr. phil. h.c. Julius Ludwig Weisbach in Freiberg. Sein Grab befindet sich auf dem Donatsfriedhof.

Bernd Schreiter