15.05.2019 15:00 (Kultur)
» Reiner-Kunze-Preis für Stevan Tontić «
(SvS) OELSNITZ/ERZGEB.: Der bosnische Schriftsteller und Übersetzer Stevan Tontić hat den Reiner-Kunze-Preis für Poesie und Lyrik erhalten. Am Freitag hat er ihn im Bergbaumuseum Oelsnitz entgegengenommen. Richard Pietraß hielt dazu die Laudatio. Er sprach davon, dass Tontic es verstand, in und nach den Kriegswirren von Jugoslawien Anfang der 1990er Jahre, diese Eindrücke in Texten zu verarbeiten. Er habe eine Wandlung erfahren - vom Opfer zum Zeugen des Brudermordes. Mit der Schriftstellerei habe er seine Seele gerettet und dem Grauen von Sarajewo ein poetisches Zeugnis gewidmet.
Preisträger Stevan Tontić (Bild): "Auf die Nachricht, dass mit der Preis mit dem Namen dieses großen deutschen Dichters verliehen werde, sagten meine Berliner Freunde, sie könnten sich kaum eine höhere Auszeichnung für Lyrik vorstellen. Übrigens hatten sie mir schon vor langer Zeit von ihrer Liebe zu Reiner Kunzes Poesie erzählt. Und ich habe als häufiger Gast bei der Familie in meiner Exilzeit und danach etliche Kunze-Bücher aus ihrer Bibliothek gelesen und mein bis dahin bescheidenes Wissen über das Werk des Dichters erweitert."
Reiner Kunze selbst war zur Preisverleihung zwar nach Oelsnitz gereist, aus gesundheitlichen Gründen aber nicht zur Verleihung gekommen.
Stevan Tontić wurde am 30. Dezember 1946 in Sanski Most geboren und studierte Philosophie und Soziologie in Sarajevo. Nach den Studienjahren lebte er in Sarajevo und arbeitete er als Verlagslektor. Nach Beginn der Belagerung von Sarajevo 1992 blieb er als Serbe zunächst in der Stadt, verließ sie jedoch im Mai 1993 und ging nach Deutschland ins Exil, wo er bis 2001 blieb. Danach kehrte er nach Sarajevo zurück.
Der Reiner-Kunze-Preis für Lyrik wurde zum 7. Mal vom Stifter und der Stadt Oelsnitz verliehen. Er ist mit 4.000 Euro dotiert. (Bildquelle: KJ/Sven Schimmel)