Geschichte der Trinkwasserversorgung in Mildenau

Frühgeschichte

Als vor etwa 800 Jahren unsere vorfahren den Miriquidi erkundeten, war das Vorhandensein von Wasser ein Hauptentscheidungsgrund für die Besiedlung des Sandbachtales und die Gründungen der Dörfer Müldenow und Richenow, dem heutigen Mildenau, sowie Streckewalde. Über Jahrhunderte hinweg bezogen sie das Hauptnahrungsmittel Trinkwasser aus dem Sandbach bzw. aus verschiedenen kleinen Quellen. Später legten die Bauern Brunnen an. Über Holzrohre floss das Wasser ihren Höfen zu. Auch das Vieh wurde nunmehr aus Brunnen getränkt.

Trinkwasserversorgung in den 20 und 30ern

Erst in den 20er Jahren des zurückliegenden Jahrhunderts kam es zu konkreten Vorstellungen über eine zentrale Wasserversorgung. Die Planungen für die erste zentrale Wasserversorgung im Niederdorf von Mildenau wurden gefertigt. Es entstand das Wasserwerk, oder zutreffender ausgedrückt, der Hochbehälter im Unterdorf im Bereich der Abzweigung nach Mauersberg und Arnsfeld. 1926 kam es zum Erlass der ersten Wasserwerksverordnung (Satzung) für die Gemeinde Mildenau durch den damaligen Gemeinderat, die am 1. Oktober des gleichen Jahres in Kraft trat. Im Zeitraum davor und in den Folgejahren kam es zur Verlegung von Trinkwasserleitungen im Niederdorf bis in Höhe des Rathauses.

Die Versorgung mit Trinkwasser war und ist auch heute noch die wichtigste Voraussetzung für die Erschließung neuer Wohngebiete, wie zum Beispiel der Ostsiedlung sowie den Bau neuer Gebäude zum Wohnen und zur Ansiedlung von Handwerk und Gewerbe. Aus Erzählungen von Vorfahren ist zu entnehmen, dass die Errichtung der ersten zentralen Wasserversorgung in Mildenau nicht reibungslos verlief. Es kam zum Widerstand einzelner Grundstückseigentümer, insbesondere von Brunnenbesitzern.

Aber schon wenige Jahre später wurde erkannt, welch große Bedeutung und welche Vorteile eine zentrale Wasserversorgungsanlage mit sich bringt. Im Jahre 1933 wurde mit der Verlegung einer Trinkwasserhauptleitung im Mittel- und Oberdorf begonnen. Auch damals waren die Grundstückseigentümer die Hauptbeteiligten. Durch "Hand- und Spanndienste", zu denen sie u.a. verpflichtet waren, kam es zur Errichtung der zweiten zentralen Wasserversorgungsanlage in unserem Dorf. Der Bau des Hochbehälters Oberdorf erfolgte im Jahre 1934. Über die konkreten Termine der erstmaligen Inbetriebnahme beider Wasserversorgungsanlagen liegen bisher keine zuverlässigen Unterlagen vor.

Die Inbetriebnahme der zweiten Wasserversorgung gewährleistete u.a. die Erschließung und Bebauung der "Westsiedlung" gegen Ende der 30er Jahre. Neben vielen anderen Vorteilen erleichterte sich das Leben vor allem für die Bauern entscheidend. Das Wasserschleppen von den Brunnen zu den Viehtränken hörte zum größten Teil auf.

Trinkwasserversorgung in den 40 und 60ern

Anfang der 40er Jahre mussten die Einwohner unserer Gemeinde zur Kenntnis nehmen, dass das zur Verfügung stehende Trinkwasser einige Mängel aufwies. Aus diesem Grund wurde bereits 1942/43 die Projektierung einer Entsäuerungs- und Filteranlage in Auftrag gegeben. Eine Firma aus Falkenstein erstellte das Projekt. Aus dem vorhandenen Schriftgut geht hervor, dass zu dieser Zeit (2.Weltkrieg) ein generelles Bauverbot für die Errichtung derartiger Anlagen bestand. Der damalige Bürgermeister bemühte sich vergebens um die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung. Das war der Grund, warum nicht schon 1943 eine Trinkwasseraufbereitungsanlage im Hochbehälter Oberdorf errichtet wurde. Erst über 50 Jahre später konnten sich Mildenauer Gemeinderäte wieder mit dieser Problematik beschäftigen. Dazwischen lag eine Zeit, in der aus verschiedenen Gründen die Pflichten und Aufgaben der Trinkwasserversorgung nicht im erforderlichen Maße wahrgenommen werden konnten. Die Auswirkungen des zweiten Weltkrieges und die staatlich gelenkte Mangelwirtschaft in der ehemaligen DDR brachten trotz aller Bemühungen des Wassermeisters Kurt Freier nicht den gewünschten Erfolg. Bis September 1964 war unsere Gemeinde für die Trinkwasserversorgung zuständig. Am 1. Oktober des Jahres 1964 erfolgte die staatlich verordnete Enteignung der Gemeinde. Der VEB WAB Karl-Marx-Stadt übernahm die Trinkwasserversorgung. Leider wurde in den darauf folgenden 2 ½ Jahrzehnten die Aufgabe "Trinkwasserversorgung" nicht mit dem nötigen Verantwortungsbewusstsein wahrgenommen.

Trinkwasserversorgung in den 70 und 80ern

Anfang der 70er Jahre erfolgte der Anschluss der Gemeinde Streckewalde an die öffentliche Wasserversorgung von Mildenau. Damals kamen bei den Tiefbauarbeiten vor allem Rentner zum Einsatz, die mit Hacke und Schaufel die Leitungsverlegung zwischen Mildenau und Streckewalde vorbereiteten und mit durchführten. Erst Mitte der 80er Jahre wurde u.a. die Carl Dietrich GmbH an das öffentliche Trinkwasserversorgungsnetz angeschlossen.

Im Jahr 1985 kam es zur Errichtung der sogenannten "Trinkwasserteiche" südlich der bebauten Ostlage von Mildenau. Das hieraus in das öffentliche Leitungsnetz eingespeiste Trinkwasser war mit erheblichen Qualitätsmängeln behaftet, und vor allem im Zeitraum 1972 bis 1991 konnte den Einwohnern nicht im ausreichenden Maße Trinkwasser zur Verfügung gestellt werden. Betroffen war vor allem das Mildenauer Oberdorf. Oftmals kam dort an den Wochenenden kein Tropfen mehr aus den Wasserhähnen.

Trinkwasserversorgung von den 90ern bis heute

Die "Trinkwasserteiche" konnten glücklicherweise im Jahre 1991 mit der Erschließung neuer Quellgebiete stillgelegt werden. Im gleichen Jahr begann die Gemeinde Mildenau in Eigenregie mit der Auswechselung sämtlicher vorhandener Trinkwasserleitungen. Zum größten Teil erfolgte die Neuverlegung in Kombination mit dem Abwasserkanalbau.

Im Zeitraum 1991 bis 1999 wurde in Regie des Gemeindebauhofes ein neues Trinkwasserleitungsnetz in einer Länge von ca. 26 km verlegt. Dadurch erhielt u.a. auch das Freibad Mildenau erstmals einen öffentlichen Trinkwasseranschluss.

Im Jahre 1993 begann der Neubau des Hochbehälters an der Königswalder Straße. Auch dieses Investvorhaben wurde in Regie der Gemeinde Mildenau umgesetzt. Die Inbetriebnahme erfolgte am 30. September 1994 in feierlichem Rahmen. Dadurch wurden die Trinkwasserversorgung für Mildenau und Streckewalde stabilisiert und die bis dahin Problematischen Druckverhältnisse reguliert.

Die Erschließung neuer Quellgebiete konnte im Jahr 1996 abgeschlossen werden. In diesem Zusammenhang wurden zwischen 1991 und 1996 insgesamt 7 neue Quellen gefasst, die dafür erforderlichen Anlagen errichtet und Leitungen von insgesamt ca. 3 km Länge Streitwald verlegt.

Das 1992 erstellte Trinkwasserversorgungskonzept ging noch nicht konkret auf die Errichtung einer Aufbereitungsanlage im Hochbehälter Oberdorf ein. Nach dessen Fortschreibung legte im September 1994 das in Freiberg angesiedelte Ingenieurbüro "vedewa" den ersten Vorentwurf für den Neubau eines Wasserwerkes vor. Drei Jahre danach folgte der 1. Spatenstich für das Investvorhaben "Um- und Ausbau Hochbehälter Oberdorf".

Schon 1 Jahr später konnte die Inbetriebnahme des neuen Wasserwerkes in feierlichem Rahmen erfolgen. Das Ziel aller Bemühungen - die Versorgung der Ortschaften Mildenau und Streckewalde mit qualitätsgerechtem Trinkwasser war erreicht. Diesen historischen Augenblick bezeichnete damals Bürgermeister Konrad Vogel als Anlass zu großer Freude und Dankbarkeit.

Durch die Verlegung eines komplett neuen Trinkwasserleitungsnetzes, die Errichtung des Hochbehälters an der Königswalder Straße und den Neubau des Wasserwerkes im Oberdorf konnten Haushalte, Unternehmen und Einrichtungen der Gemeinden Mildenau und Streckewalde ab 1998 aus einer zentralen Aufbereitungsanlage mit qualitätsgerechtem Trinkwasser versorgt werden. Die beiden bis dahin im Oberdorf ( oberhalb Wohngebäude Tost) und im Kreuzungsbereich Arnsfeld- Mauersberg zusätzlich genutzten alten Wasserversorgungsanlagen wurden nicht mehr benötigt und stillgelegt.

Nach 1999 kam es zu weiteren Bauarbeiten. So wurde u.a. im Jahr 2001 eine neue Druckminderanlage an Streckewalde errichtet. Dadurch konnte der im Mitteldorf von Streckewalde schwer zugängliche und auf einem Privatgrundstück befindliche Vorratsbehälter außer Betrieb genommen werden. Es folgten der Rückbau des Hochbehälters und die Rekultivierung des Privatgrundstückes. Parallel dazu kam es in diesem Ortsbereich zu Leitungsneuverlegung.

Im Jahr 2002 wurde die alte Trinkwasserleitung, die den Ort Streckewalde aus dem oberhalb der Ortslage gelegenen Hochbehälter versorgte, durch eine neue ersetzt. Gleichzeitig kam es erstmals mit zur Verlegung eines Elektroenergiekabels als wichtige Vorraussetzung für die Umsetzung des Investitionsvorhabens "Um- und Ausbau/Sanierung Hochbehälter Streckewalde".

Zur Vorbereitung des Investvorhabens "Um- und Ausbau/Sanierung Hochbehälter Streckewalde" wurde bereits 2004 mit Bauwerksgutachten und Vermessungsarbeiten begonnen. Ebenso konnte das Wegerecht für die Zufahrt zum Hochbehälter gesichert werden. Das Gesamtbauvorhaben soll 2006 mit der Neugestaltung der Außenanlagen abgeschlossen werden.

Durch die Umsetzung der Investmaßnahme wird die Einhaltung der im sächsischen Wassergesetz festgelegten Qualitätsnormen garantiert. Gleichzeitig werden die Vorschriften der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (DVGW) sowie der zuständigen Berufsgenossenschaft erfüllt. Von der dadurch erreichten konstanteren und qualitätsgerechteren Trinkwasserversorgung profitiert insbesondere unsere Einwohner in Streckewalde.